Gemeinde Altshausen

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Aus dem eigenen Haus in die eigene Wohnung: Das "Lamm" bekommt eine neue Zukunft

Mit dem ersten Spatenstich, hier mit Schaufeln, geht das Projekt Senioren-Residenz
Mit dem ersten Spatenstich, hier mit Schaufeln, geht das Projekt Senioren-Residenz "Lamm" in Altshausen in die erste Bauphase. © Herbert Guth

Es ist ein besonderer Ort für einen Neubeginn. Wo früher im Gasthaus „Lamm“ gegessen, getrunken, diskutiert und gefeiert wurde und die Metzgerei zum Alltag des Hauses gehörte, wird jetzt ein neues Kapitel aufgeschlagen. Beim ersten Spatenstich für die Senioren-Residenz „Lamm“ wurde deutlich: Hier entsteht nicht einfach ein neues Wohnhaus. Hier geht es um eine Lebensentscheidung. Denn irgendwann kommt für viele Menschen der Zeitpunkt, an dem sie sich fragen: Ist unser Einfamilienhaus mit seinen vielen Zimmern und dem großen Garten noch das richtige Zuhause für uns? Was passiert, wenn einer von uns nicht mehr so gut kann? Und muss der Schritt in eine kleinere Wohnung zwangsläufig bedeuten, ein Stück Selbstständigkeit aufzugeben? Die Antwort, die das neue „Lamm“ geben möchte, lautet: Nein.

19 barrierefreie Eigentumswohnungen sind an der Hindenburgstraße 43 geplant. Sie richten sich an Menschen ab 60 Jahren sowie an Menschen mit Behinderung, die noch selbstständig leben können. Die Bewohner kaufen ihre Wohnung und behalten damit ihre eigenen vier Wände. Gleichzeitig schließen sie einen Betreuungsvertrag mit der St. Elisabeth-Stiftung ab.

Ein Notruf gehört zum Grundangebot. Weitere Unterstützung kann nach persönlichem Bedarf hinzugebucht werden – von Hilfe im Haushalt über Reinigung und Wäscheservice bis zu Mahlzeiten und weiteren Angeboten. Ein Gemeinschaftsraum soll Begegnung ermöglichen. Besonders wichtig für die Lebensplanung ist eine weitere Zusage: Mit dem Betreuungsvertrag ist ein vorrangiger Anspruch auf einen Pflegeplatz in einer Einrichtung der St. Elisabeth-Stiftung verbunden, wenn später Pflege erforderlich werden sollte. Damit richtet sich das Konzept ausdrücklich an Menschen, die heute noch selbstständig sind und nicht erst dann über einen Umzug nachdenken wollen, wenn eine Veränderung unausweichlich geworden ist.

Die Wohnungen selbst sind auf dieses Leben zugeschnitten. Zwei Zimmer, eigene Küche, barrierefreies Bad, Balkon oder Terrasse, Kelleranteil und Aufzug gehören zum Konzept. Erdgeschosswohnungen verfügen über kleine Grundstücksanteile. Die Bewohner können ihre Wohnung damit weiterhin als ihr persönliches Zuhause gestalten.

Peter Mörth, Geschäftsführer der Mörth & Stocker Immobilien GmbH, kennt den Standort aus persönlicher Sicht. Der gebürtige Altshauser und sein Geschäftspartner Klaus Stocker hatten das ehemalige „Lamm“ 2021 erworben. Zunächst sollte das alte Gebäude erhalten bleiben. Geplant war unter anderem ein Fünffamilienhaus im Bereich der früheren Disco. Doch Corona und die unwirtschaftliche Erhaltung des Bestands führten zu einer Änderung der Pläne. Erfahrungen aus einem Seniorenwohnprojekt in Bad Waldsee und die dort festgestellte große Nachfrage brachten schließlich die Idee nach Altshausen. Dabei war Mörth eines besonders wichtig: Der Name sollte bleiben. „Wir wollten den Namen Lamm am Leben erhalten“, sagte er beim Spatenstich.

Bürgermeister Patrick Bauser zeigte sich erfreut, dass in Altshausen ein solches Vorzeigeprojekt verwirklicht wird. Für die Gemeinde sei es eine Bereicherung, wenn Menschen auch im höheren Alter eine attraktive Möglichkeit hätten, selbstbestimmt in ihrer Heimatgemeinde zu wohnen.
Auch die Verbindung zur Region spielt für die Projektentwickler eine wichtige Rolle. Mörth betont, dass sein Unternehmen seit 35 Jahren möglichst mit regionalen Firmen zusammenarbeitet. Rund acht Millionen Euro werden in die neue Senioren-Residenz investiert. Derzeit wird die Baugrube ausgehoben, Anfang Oktober soll der Rohbau beginnen.

Bei der Finanzierung und beim Vertrieb besteht eine enge Partnerschaft mit der VR Bank Donau-Oberschwaben. Bank-Vorstand Franz Schmid hob beim Spatenstich die seit vielen Jahren bestehende hervorragende Geschäftsbeziehung zu Mörth & Stocker hervor. Die Bank ist auch Vertriebspartner des Projekts und kann Interessenten auf Wunsch beim Verkauf ihrer bisherigen Bestandsimmobilie unterstützen. Ansprechpartnerin bei der Bank ist die zertifizierte Immobilienberaterin Sandra Distler. Das dürfte für viele potenzielle Bewohner von erheblicher Bedeutung sein. Denn der Gedanke an eine neue Wohnung ist das eine. Der Verkauf des eigenen Hauses ist etwas ganz anderes. Dort hängen Erinnerungen. Dort sind vielleicht die Kinder aufgewachsen. Der Garten wurde über Jahrzehnte gepflegt. Ein Haus aufzugeben bedeutet deshalb immer auch, ein Stück der eigenen Lebensgeschichte loszulassen. Genau deshalb könnte das „Lamm“ für manche Menschen eine interessante Perspektive bieten: Man gibt zwar das große Haus auf, aber nicht das eigene Zuhause.

Sieben der 19 Wohnungen sind bereits verkauft. Mit weiteren Interessenten, so Mörth, befinde man sich intensiv im Gespräch. Nach dem Verkauf der Wohnungen wird Mörth & Stocker auch die Hausverwaltung übernehmen.

Auf Seiten der St. Elisabeth-Stiftung waren beim Spatenstich unter anderem Susanne Sieghart, Geschäftsbereichsleiterin Altenhilfe und Hospize, sowie Felicitas Fink, Koordinatorin „Wohnen mit Service“ in Altshausen, vertreten. Auch Mörth selbst richtete den Blick beim Spatenstich nicht allein auf das neue Gebäude. Er erinnerte an die jahrzehntelange hervorragende gemeinsame Arbeit mit seinem Geschäftspartner Klaus Stocker. So verbindet sich auf dem Grundstück des früheren „Lamm“ Vergangenheit mit Zukunft. Ein alter Treffpunkt erhält einen neuen Namen und eine neue Aufgabe. Und vielleicht ist genau das auch das passende Bild für die Menschen, die hier künftig wohnen werden: Nicht das Ende eines selbstbestimmten Lebens, sondern der Beginn einer neuen Form des Zuhause-Seins.

Herbert Guth